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Wer hat das Telefon erfunden? Alexander Graham Bell, Antonio Meucci oder Philippe Reis?

So banal diese Frage klingt, so einfach ist sie nicht zu beantworten. Sie denken an Alexander Graham Bell, oder? Aber Alexander Graham Bell ist als Erfinder des Telefons umstritten. Tatsache ist, dass er mit seiner Erfindung «Telefon» die Welt eroberte, aber die wirklichen Pioniere von damals leer ausgingen.

Philippe Reis, ein deutscher Physiker und Erfinder, führte um 1861 bei einem Vortrag in Frankfurt den ersten Telefonapparat vor. Er meldete seine Erfindung jedoch zeitlebens nie zum Patent an. Zudem litt er an Tuberkulose und starb im Januar 1874 im Alter von nur 40 Jahren.

Nicht mehr Glück hatte der italienische Erfinder Antonio Meucci. Er demonstrierte die Funktion seines ersten Telefonmodells bereits um 1860, lange bevor Bell die Weltbühne betrat. Nach einem Unfall war Meuccis Frau gezwungen, seine Arbeitsmodelle zu verkaufen. Doch Meucci warf nicht gleich die Flinte ins Korn. Er raffte sich auf und entwickelte Anfang der 1870er Jahre ein neues Telefon. Leider konnte er das Geld für die Patentanmeldung nicht auftreiben. Nutzniesser war wenig später Alexander Graham Bell. Er eroberte mit dem neuen Kommunikationsmittel Telefon die Welt.

Ein weiterer Erfinder dieser Zeit war Elisha Gray, der ebenfalls an der Übertragung von Tönen mittels Elektrizität tüftelte. Doch Bell war mit seiner Patentanmeldung zwei Stunden schneller und Gray ging leer aus. Schnelligkeit konnte schon damals über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Für Gray war es bitter, Bells Aufstieg tatenlos zusehen zu müssen.

Es ist eine oft festgestellte Tatsache, dass die Schöpfer neuer Erkenntnisse und Geräte nicht die Nutzniesser ihrer Errungenschaften sind. Das Telefon ist da keine Ausnahme, wie Sie gerade erfahren haben. Es ist jedoch nicht die Absicht dieser Website, sich mit der Erfindung des Telefons zu befassen. Dazu gibt es genügend Informationen in der Fachliteratur und im Internet.

Vielmehr konzentriere ich mich auf die Entwicklung und Verbreitung der Telefonie in der Schweiz und verfolge das Ziel, mit kurzen Berichten auch weniger Bekanntes zu publizieren. Ich hoffe, es gefällt Ihnen. Viel Spass beim Lesen.

Martin Feuz

Die Einführung des Telefons in der Schweiz

Die Einführung des Telefons in der Schweiz

Mitte November 1877 wurde in Deutschland die erste Telefonverbindung erfolgreich in Betrieb genommen. Diese Nachricht weckte in der Schweiz schlagartig das Interesse an der Telefonie.

Kurz darauf, am 20. November 1877, schreibt die Schweizerische Telegraphendirektion an das Kaiserlich Deutsche General-Telegraphen-Amt in Berlin und bittet um detaillierte Angaben über die erfolgreichen Telefonverbindungen. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Mit dem Schreiben vom 21. November 1877 erhält der Bundesrat von Dr. Arnold Roth, bevollmächtigter Minister beim Deutschen Reich und Königreich Bayern, einen detaillierten Bericht über die unglaublichen Versuche mit der neuen Erfindung „Telefon“.

 

Erste Apparate, erste Versuche

Sofort bestellt die Telegraphendirektion bei Siemens & Halske in Berlin ein Paar Telefone zum Preis von RM 10.25 (ein Sender und ein Empfänger), um rasch eigene Versuche durchführen zu können. Die beiden Telefone treffen am 4. Dezember ein, und bereits am 13. Dezember werden auf der Telegrafenleitung zwischen Bern und Thun „provisorische Telefonversuche“ durchgeführt. Die Ergebnisse sind so vielversprechend, dass am 17. Dezember ein weiterer Versuch mit Thun und Interlaken folgt.

Besonders lebhaftes Interesse an der neuen Erfindung zeigt der Adjunkt der Telegrapheninspektion Bellinzona, Michele Patocchi. Er stellt am 9. Dezember 1877 bei der Telegraphendirektion in Bern ein Gesuch um Erlaubnis, auf den Telegraphenleitungen Telefonversuche durchzuführen. Die Telegraphendirektion erteilt am 11. Dezember ihr Einverständnis und bittet gleichzeitig, ihr die Ergebnisse der Versuche mitzuteilen, damit sie diese mit ihren eigenen Ergebnissen vergleichen kann. Patocchi kauft für seine Versuche zwei Telefonapparate der Telegraphenfabrik Neuenburg (Hipp) zum Preis von 18 Franken. Patocchi ist in der Folge der erste Schweizer, der seine Versuche genau protokolliert und verschiedene Berichte für die Telegraphendirektion verfasst. Von ihm stammt auch die erste schweizerische Dokumentation über das Telefon. Am 6. Januar 1878 stellt er erfolgreich eine Verbindung ins nahe Ausland her, zwischen Mailand und Bellinzona (117 km).

 

Das Telefon fällt unter das Bundesgesetz

Das Interesse am Telefon ist allgemein gross. Die Telegraphendirektion trifft deshalb im Einvernehmen mit dem Post- und Telegraphendepartement vorsorgliche Massnahmen, um die Telefonanlagen unter das Monopol zu stellen.

Bereits am 17. Dezember 1877 wird ein Kreisschreiben betreffend Konzessionen für Telefonanlagen erlassen. Darin wird festgehalten, dass „jede derartige Einrichtung (Telephon), soweit sie über die Grenzen des Privateigentums ihres Erbauers hinausgeht, in die Zuständigkeit des Bundes fällt und daher der staatlichen Bewilligung bedarf“. Am 12. März 1878 wurde das Departement ermächtigt, angesichts der zunehmenden Zahl solcher Gesuche künftig Konzessionen zu erteilen.

Am 17. Januar 1878 legt das Post- und Telegraphendepartement dem Bundesrat einen ausführlichen Bericht über die Konzessionierung von Telefonanlagen vor. Darin wird die Telefonie dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 1854 über die Organisation der Telegraphenverwaltung unterstellt. Er legt unter anderem dar, wie in Zukunft Konzessionen erteilt werden könnten und welche Bedingungen die Konzessionäre erfüllen müssten. Am 18. Februar 1878 behandelt der Bundesrat den Entwurf zu einem Bundesbeschluss, wonach das Telefon und seine Einrichtungen gemäss Artikel 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1854 unter Bundesregal gestellt werden.

 

Die Beschwerde

Am 30. Mai 1878 reicht Wilhelm Ehrenberg, Telefonfabrikant in Neumünster-Zürich, schriftlich Beschwerde gegen den Beschluss der eidgenössischen Räte ein. Im Dezember 1878 bestätigt die Bundesversammlung jedoch den Bundesratsbeschluss vom 18. Februar und weist die Beschwerde von Wilhelm Ehrenberg ab. Dieser erklärt sich jedoch bereit, private Leitungen zu konzessionieren, sofern sie das Telegraphenmonopol nicht beeinträchtigen oder konkurrenzieren. Dieser Entscheid führte 1880 zur Gründung der Zürcher Telephongesellschaft, die das erste Telefonnetz der Schweiz in der Stadt Zürich und den Vororten aufbaute und am 2. Oktober desselben Jahres den Betrieb aufnahm. Die Konzession des Bundesrates gilt für fünf Jahre.

 

Der richtungsweisende Schritt zur Einführung des Telefons in der Schweiz

Am 23. November 1880 legt das Post- und Eisenbahndepartement dem Bundesrat einen Bericht und einen Verordnungsentwurf über die Errichtung von Telefonstationen vor. Darin werden die Vorteile des Telefons für kleine Ortschaften und ganze Landstriche ohne Telegrafenbüro dargelegt.

Um der Bevölkerung den Zugang zur schnellen Korrespondenz zu ermöglichen, ist die Telephoneinrichtung besonders geeignet. Die kleinen, platzsparenden Apparate können von jedermann ohne besondere Vorkenntnisse bedient werden und erfordern praktisch keinen Unterhalt“.

Noch im selben Jahr verabschiedet der Bundesrat den Verordnungsentwurf über die Errichtung öffentlicher Telefonstationen. Gestützt auf diese Verordnung werden 1881 in der ganzen Schweiz 18 öffentliche Telefonstationen mit Anschluss an das Telegrafennetz errichtet.

Vier Monate vor dem Erlass dieser wichtigen Verordnung, am 20. Juli 1880, hatte der Bundesrat der Zürcher Telephongesellschaft die Konzession zum Bau und Betrieb eines Telefonnetzes in der Stadt Zürich und Umgebung erteilt. Es war ein Entscheid, der, kaum gefällt, schon wieder bereut wird.

In der Folge werden Konzessionen für den Bau und Betrieb von Telefonnetzen nicht mehr an Private vergeben. Der Bund nimmt den Bau der Telefonnetze in den Städten selbst in die Hand. Im August 1881 wird das Basler Telefonnetz in Betrieb genommen.

 

Autor: Martin Feuz

Änderungsindex:
2023: Artikel überarbeitet.

 

Quellennachweis:

  • Hundert Jahre elektrisches Nachrichtenwesen in der Schweiz, Band II

Die Schweizer Telefonindustrie

Einheimische Produktion

Sowohl die Zürcher Telephongesellschaft als auch die eidgenössische Telegraphenverwaltung verwendeten für den Betrieb der ersten Telefonnetze (Stadtnetze) anfänglich amerikanische Telefonapparate. Bis 1881 hatte sich keine einheimische Firma intensiver mit dem Bau von Telefonapparaten befasst. Die amerikanischen Telefonapparate stammten aus den Fabriken der Western Electric und der Bell Telephone Company in New York, Chicago und Indianapolis.

Nach der Einführung des Telefons stellten mehrere Unternehmen sofort Telefonapparate her. Dabei orientierten sie sich an Mustern fremder Fabrikate oder entwickelten eigene Konstruktionen.

Die einheimischen Produkte waren den ausländischen bald vollkommen ebenbürtig. An der Schweizer Landesausstellung 1883 waren fünf Firmen vertreten und präsentierten ihre Neuheiten:

  • Fabrique des télégraphes Matthias Hipp in Neuchâtel
  • Telegraphen-Werkstätte von G. Hasler in Bern
  • Zürcher Telephongesellschaft in Zürich
  • Fabrik physikalischer Apparate, M. Kälin, Einsiedeln
  • Fabrik für elektrische Apparate von A. Zellweger & W. Ehrenberg in Uster

Diese fünf Betriebe produzierten insgesamt jährlich 2.400 Telefone und belieferten nebst der eidgenössische Telegraphenverwaltung auch Telefongesellschaften in Europa, Russland, Australien und Südamerika.

Lieferanten der Telegraphenverwaltung

Im Prix-Courant (Materialeinkauf der Verwaltung) sind neben den fünf genannten Firmen weitere Lieferanten von Telefonapparaten und Zubehör aufgeführt:

  • Siemens & Halske in Berlin
  • Berliner Anstalt in Hannover
  • Gower-Bell in London
  • Theiler & Sons in London
  • Léon de Locht-Labye in Liège
  • Bell Telephone Manufacturing Company in Antwerpen
  • Eckenfelder in Zürich und weitere

Die Telegraphenverwaltung änderte 1883 aus wirtschaftlichen Gründen ihre Beschaffungsstrategie für Telefonmaterial. Die eidgenössische Telegraphenverwaltung beschaffte lediglich Apparateteile und baute diese in der eigenen Werkstatt zu vollständigen Apparaten zusammen, anstatt komplette Apparate zu kaufen. Die ausgelieferten Wandstationen setzten sich ab diesem Zeitpunkt aus Komponenten verschiedener Lieferanten zusammen. Das Telefon bestand aus einem Rufapparat mit Kurbelinduktor und Wecker der Firma G. Halser in Bern, einem Kontaktmikrofon vom Typ Blake der Zürcher Telephongesellschaft, einem Batteriekasten mit dem Leclanché-Element für das Mikrofon und einem Hörer vom Typ Bell der Zürcher Oberländer Firma Zellweger & Ehrenberg.

Ab 1892 konnte die Werkstatt die Nachfrage nach den bestellten Apparaten nicht mehr befriedigen und stellte die Materialbeschaffung um. Im Jahr 1893 beauftragte die Telegraphenverwaltung die Firmen G. Halser in Bern, die Zürcher Telephongesellschaft und die Firma F. Eckenfelder in Zürich, eine grössere Anzahl Telefonapparate zu liefern, ohne die eigene Werkstatt zu schliessen. Ab 1900 lieferte auch die Firma A. Zellweger in Uster komplette Apparate an die Verwaltung.

Änderungsindex:
2024: Artikel verfasst.

 

Quellennachweis:

  • A. Tobler: LXXII. Neujahrsblatt zum Besten des Waisenhauses in Zürich für 1909, Seite 32
  • Dr. H. F. Weber: Landesausstellung Zürich 1883, Bericht über Gruppe 32: Physikalische Instrumente, Seite 79
  • Jean-Pierre Haldi, Cuno Clènin: Die Telefonapparate in der Schweiz, 1983
  • PTT-Archiv: Prix- Courant 1868 — 1896

Kurzfilme

Das Museum für Kommunikation in Bern hat verschiedene alte Kurzfilme veröffentlicht. Hier eine kleine Auswahl aus dem Archiv.

Das Telefon im Wandel der Zeit: Die Telefonzentrale (FLM 0045.00)

Dokumentarfilm über Telefonzentralen im Wandel der Zeit. Telefonzentralen in der Schweiz, Geschichte, Technik und Funktion von den Anfängen bis ca.1950: Handvermittlungszentralen ab 1881, automatischen Zentralen mit elektromechanischen Wählern, Nebeneinrichtungen, Stromversorgung, Notdieselmotor, Batterieraum, Zentrale von Siemens, Hasler mit Kulissenwähler, Zentrale Bell und Reis mit Rotary-Wähler.

Das Telefon im Wandel der Zeit: Der Telefonapparat (FLM 0043.00)

Dokumentarfilm über Telefonapparate im Wandel der Zeit. Telefonapparate, Geschichte, Konstruktion und Funktion von den Anfängen bis ca.1950: Erster Telefonapparat Bell und Reis 1876, verschiedene Apparate.

Eine ehemalige Telefonistin erzählt (Nr. 245.2)

Eine ehemalige Telefonistin der Zürcher Telephongesellschaft erzählt von ihrem Alltag. Aufnahme aus dem Jahr 1945.

Das Prinzip der Telefonverbindung einfach erklärt

Mein Kollege Georges demonstriert im folgenden Video den Auf- und Abbau einer Telefonverbindung zwischen zwei Teilnehmern mit der alten Technik.